Interieurfotografie

Die Interieurfotografie oder auch Innenraumfotografie genannt, beschäftigt sich mit dem Fotografieren eines Raumkörpers, anstatt wie in der normalen Architekturfotografie, mit dem Fotografieren eines Körpers im Raum. Für gewöhnlich sind die Aufnahmen ohne Personen, in seltenen Fällen werden Personen verwischt dargestellt, um eine Funktionserklärung von Elementen zu geben oder die Aufnahme zu beleben.

architekturfotografie interieurfotografie 750 4190 architekturfotografie interieurfotografie 750 4190
 

Bildausschnitt und Bildkomposition

Vor dem Fotografieren muss eine Analyse des Raums durchgeführt werden. Hier sollte die Perspektive, der Bildausschnitt und auch die Proportionslehre zum richtigen Standort für den Fotografen führen und auch die Brennweite bestimmt werden. Reduzierung des Bildausschnitts auf Detail, rückt Einzelgegenstände oder Bauteile in den Fokus der Aufnahme - weitergehend führt das zur künstlerischen Fotografie. Weitwinklige Aufnahmen vergrößern den Bildausschnitt und lassen das Gesamtkonzept besser erkennen. Personen werden in der Regel nicht gezeigt, da sie Aufnahmen zu stark dominieren und die Bildaussage verändern können. Ausnahmen bilden transparente, bewegte Personen, um einer Aufnahme Lebendigkeit zu vermitteln oder Funktionen zu erklären. Meist wird hierbei ohne Graufilter fotografiert, da die hohe Blendenzahl und Lichtverhältnisse ideal für solche Aufnahmen sind.

Beleuchtung

Fenster führen oft zu starken Hell-Dunkel-Kontrasten, da die Helligkeitsunterschiede von innen und außen meist sehr groß sind. Ein Fotograf kann dem auf verschiedene Arten entgegenwirken: den Raum durch Blitz oder Dauerlicht künstlich erhellen, Standort wechseln, HDR und DRI Fotografie, Zeitpunkt zum fotografieren gezielt wählen und vor allem in RAW fotografieren, um die Aufnahmen ohne Qualitätsverlust bearbeiten zu können. Der Einsatz des kamerainternen Histogramms hilft dabei Lichtsituationen richtig einzuschätzen. Verschiedene Lichtquellen führen auch zu unterschiedlichen Farbtemparaturen im Bild und somit zu unschönen Effekten. Dem sollte ein Fotograf entgegenwirken, indem er in RAW fotografiert, die Blitztechnik anpasst oder zu unterschiedliche Lichtquellen ausschaltet.

 
architekturfotografie architekturfotografie
 

Motiv und Zweck

Die Innenraumfotografie dient unterschiedlichen Zwecken. So kann die Architektur das Hauptmotiv sein - besonders interessant für Architekten, Bauherren und Architekturliebhaber - wobei hier möglichst wenig Inneneinrichtungen und Alltagsgegenstände im Raum platziert sein sollten, um den Fokus auf die Architektur zu belassen. Bei der Inneneinrichtung als Hauptmotiv, ist das Zusammenspiel von Architektur und Inneneinrichtung gefragt. Hier sollte der Fotograf alle Gegenstände konsequent arrangieren, um die professionalität und Qualität der Aufnahmen zu erhöhen - dazu gehört auch, das Entfernen von Staub und Fingerabdrücken auf glänzenden Flächen, Glas oder Spiegeln. Hier ist die Devise: ganz oder gar nicht.

Perspektive

Für gewöhnlich wird in der Zentralperspektive und Zweipunktperspektive fotografiert. Wenige Ausnahmen zeigen Interieurfotografien in einer Dreipunktperspektive - Beispiel sind: künstlerische Fotografien, bei denen stürzende Linien den Gesamteindruck auf etwas lenken sollen, oder wenn es durch bestimmte Ausmaße nicht anders möglich ist. Stürzende Linien deuten ansonsten auf eine falsche horizontale Ausrichtung der Kamera hin und führen zu einer schiefen Raumwirkungen. Das Arbeiten mit Stativ ist deshalb in der Interieurfotografie Pflicht. Des Weiteren sollte aus einer Höhe von ca. 180 cm fotografiert werden, um die Sehgewohnheit zu unterstützen - Ausnahmen bilden hier niedrige Räume, bei denen die Verringerung der Fotografiehöhe, die Raumwirkung positiv beeinflusst.

 
architekturfotografie Interieurfotografie architekturfotografie Interieurfotografie
 

Brennweite und Bildformat

Kurze Brennweiten oder auch Weitwinkel genannt (ab ca. 35 mm Kleinbildformat), erzeugen falsch angewendet das Gefühl von außerordentlicher räumlicher Weite. In der Innenraumfotografie macht man sich das zunutze, um eine stärkere Raumwirkung zu erzeugen - aber auch hier sollte nicht übertrieben werden, um Relationen möglichst richtig darzustellen. Das Bildformat sollte sich an der Raumorientierung ausrichten, um eine authentische Architekturdarstellung zu ermöglichen. Panoramen aus mehreren Einzelaufnahmen können in kleinen Räumen, mehr vom Boden sowie Decke zeigen und auch hier die Raumwirkung enorm verbessern.

 
interieurfotografie interieurfotografie
 
interieurfotografie interieurfotografie